Wie grenzt sich das Maskenspiel ab?

Abgrenzung

Der archetypische Maskenspiel basiert auf grundlegenden Elemente wie Theaterraum, Akteure, Bühne, Publikum wie in den herkömmlichen bzw. zeitgenössichen Theaterformen.

Westliche Wurzeln

Durch die Verwendung der Maske orientiert sich  das archetypische Maskenspiel an der Urform des Theater in der griechischen Antike. In diesen Ursprungsformen des Theater trugen die Darstellern Masken und die theatralen Spielformen dienten zur Entlastung der menschlichen Seele sowohl für Darsteller als auch für Zuschauer. Zu den bekannten Spielformen gehören die dionysischen Satyrspieln und Maskentänzen in Rahmen der Dionysos-Kulten.

Östliche Parallele

Eine weitere Theaterform, die stark mit physische Essenz und Masken arbeitet, ist das asiatisches Noh-Theater. Es gilt als eine der ältesten ununterbrochen gespielten Theaterformen der Welt. Im Noh-Theater spielt der Akteur durch das Aufsetzen einer Maske keine Rolle wie im traditionellen Theaterverständnis. Vielmehr wird durch die Reduktion von Ausdrucksformen,

Durch die extreme Reduktion, den ritualisierten Gang und den Verzicht auf psychologischen Realismus soll der Darsteller zum leeren Gefäß werden, sodass archetypische Formen wie der trauernden Mutter oder des weisen Alten durch ihn wirken.

In den Spuren von Naturvölkern

Das archetypische Maskenspiel nimmt auch Anleihe bei Riten von Naturvölker.  So kann es auch zum Tragen von Tiermasken wie Hirschmasken oder Wolfsmaske kommen, wie es bei okkulte Ritualen von Urvölker Tradition ist, um sich der Kräfte der Tiere anzunähern. Auch bei szenischen Darstellung im Schamanismus werden immer wieder Masken als Schutzfunktion beim Grenzgang zwischen Jenseits und Diesseits oder gegenüber destruktiven Kräften verwendet.

Kein programmatisches Geschichtenerzählen

Aufgrund des Fehlens von vorgefertigten Plots, Regieanweisungen, geplanten Darstellungsreihen weist das archetypische Maskenspiel auch Ähnlichkeiten zum Improtheater auf. Weitgehend zeichnet sich das ImproTheater dadurch aus, dass Szenen, Geschichten und ganze Stücke im Moment des Geschehens erfinden werden,  ohne geschriebenes Drehbuch und ohne vorherige Absprache.

Das archetypische Maskenspiel beruht auch auf freier Improvisation auf der Bühne und fokussiert ebenfalls auf das Entstehenlassen im gegenwärtigen Moment. Im Gegensatz ImproTheater, wo die Inspiration zum Spiel vorwiegend aus den Vorstellungen der Akteure  und der Interaktionen zwischen ihnen kommt, sind beim archetypischen Maskenspiel der Körper und der Urtyp (Maske) Hauptquellen für die Inspiration.

Ein weitere wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Formen ist,  dass es die wichtigste Grundregel ImproTheater „Accept and Build“ - jeder Einfall des Spielpartners wird als absolute Wahrheit akzeptiert und mit einem eigenen Impuls weiterentwickelt - in dieser Art nicht gilt. Der Maskenspieler kann die Angebote der anderen Maske als Impuls aufgreifen oder auch ganz in eine andere Richtung agieren.

Ganz nach dem Motto Körper zuerst (Body First), sodass die Körperhaltung und die archetypische Gestik die Figur sind, bedient sich  das Maskenspiel einer weiteren verwandte künstlerische Techniken der Pantomime.  Wie in der Pantomime wird auf feste Texte verzichtet. Die Physis und Laute sind primären Ausdrucksformen.