Maske als Gestaltungsart von Archetypen

Maske als Gestaltungsart

Maske als Einstiegshilfe

Beim archetypischen Maskenspiel dient die Maske als Werkzeug für das explizite Bewusstmachen von Archetypen. Hier stützen wir uns auch auf Jungksches Konzept.

Konzept nach C. G. Jung 
Für C. G. Jung besteht die Persönlichkeit aus verschiedenen Ebenen:
BegriffBedeutung
Personasoziale Maske
Schattenverdrängte Anteile
Archetypenuniverselle Grundkräfte
Selbsttiefere Ganzheit

Ursprünglich stand „Persona“ auch für die Theatermaske im antiken Theater, durch die hindurch Schauspieler beim Auftritt sprachen. Von Persona leitet sich daher das Wort Person ab.

Die archetypischen Maske kann:

  • die Persona im Sinne von sozialen Masken umgehen,
  • den Schatten sichtbar machen und
  • archetypische Kräfte aktivieren werden.

Des Weiteren nutzen wir auch die Annahme, dass wir Menschen alle Grundformen der Archetypen in uns tragen und dass diese je nach Situation in verschiedenen Ausprägungen und Kombinationen auftreten bzw. bewusst und unbewusst gestaltet werden können. So erlaubt das Maskenspiel Situationen zu kreieren, um die Resonanzwahrscheinlichkeit für intendierte archetypische Prinzipien zu erhöhen.

Im Maskenspiel sind hierbei so gut wie keine Grenzen vorhanden. Im Zentrum stehen allgemein menschliche Situationen und Empfindungen im Zusammenspiel mit archetypischen Dynamiken und Strukturen. Der Ausgangspunkt können alltägliche Situationen sein, die sich zu Dramen oder Komödien entwickeln, wobei ein oder mehrere Archetypen bzw. archetypische Dynamiken sich zeigen. Es ist jedoch möglich, vom Anfang einer Szene aus ein Volksstück oder einer bekannten Tragödie zu starten, um das Feld für bestimmte archetypische Prinzipien zu eröffnen.

Beispiel: Souverän / König

Konkret kann das bedeuten, dass wir einen bestimmten Archetyp wie den Souverän bzw. den König auf die Bühne bringen wollen, um sich bewusst in die Qualitäten dieser kollektiven Gestalt zu begeben. Dabei kann der Maskenspieler in Szenen, Handlungen, Gesten gehen, die nicht an bestimmte biografische Erfahrungen gebunden sind. Vielmehr nimmt er sich die Freiheit, es zu erleben, mittels herrschaftlicher Gestik, Insignien wie einer goldenen Kugel, eine raumgreifende Kontrolle zu etablieren. Spannend ist dann, wer bzw. was sich von so einem Feld geprägt von Raumkontrolle begibt und was daraus entsteht.

Beim Maskenspiel kann der gleiche Archetyp je nach Spiel einmal eine Hauptrolle, und dann wieder eben auch nur Nebenrollen einnehmen oder als Komparse agieren. So wie es im alltäglichen Leben auch vorkommen kann.

Archetypische Kräfte und Prinzipien in Spiel bringen

Durch die archetypische Maske, einfache, tlw. archaische Kleidung und Accessoires, der Dominanz der Gesten und Bewegungen der Spieler im Zusammenspiel mit Symbolen und Abstraktionen vs. des Text im klassischen Theater werden archetypische Kräfte und Prinzipien in Spiel gebracht. Ähnlich wie in Märchen und anderen Mythen werden sie in den Figuren und deren Verhalten lebendig und erkennbar. Dh. der entsprechende Archetyp meldet sich in uns, und im besten Fall durchdringen uns dessen Urkräfte und lassen einen wie von fremden Händen geleitet agieren. Immer wird in diesem Zusammenhang davon gesprochen, dass ES spielt oder gespielt hat. Die Maskenspieler erleben immense Kräfte, die ihre Wahrnehmung und ihr Handeln beeinflussen.

Die vorgenannten Beispiele können aus weiteren Blickwinkeln betrachtet werden. Jeder Mensch lebt alle Archetypen bewusst oder unbewusst, einmal mehr und einmal weniger. Es ist abhängig von der Biographie, dem sozialen Umfeld und der aktuellen Situation. Je nach Zugang kann einem der Archetyp der Mutter als Fürsorge in dem er einer anderen Person Geborgenheit schenkt, bewusst sein. In einer anderen Situation kann der gleiche Archetyp auch am Werk sein und es passiert viel mehr unbewusst.

Das trifft auch den zuschauenden Teilnehmer zu. Etwas im Zuschauer gerät in Resonanz. Der Zuschauer erkennt die archetypische Figur und beobachtet die Wirkung auf ihn selbst. Das empfangene Bild, die wahrgenommene Energie auf der Bühne lässt ihn an kollektiven Grundmuster und vielleicht auch an eigene Lebenserfahrungen anknüpfen. Gelingt eine bewusste Einordnung und Verknüpfung des Wahrgenommenen im Außen und im Innere, kehrt immer wieder ein Gefühl der Einbettung und Zufriedenheit ein.

Anhand dieses archetypischen Blickwinkels, sowohl als Maskenspieler im archetypischen Spiel als auch als Betrachter, kann ein unmittelbares und gleichsam verdichtetes energetisches Grundverständnis der Archetypen von innen her erfahren und damit entwickelt werden.