
Was sind Archetypen?
Archetyp
In allen Kulturkreisen gibt es Zeichen und insbesondere bildhafte Gestalten mit gemeinsamer Bedeutung. Diese Ur-Zeichen werden als Archetypen bezeichnet. Es werden bei jedem Betrachter weitgehend identische Assoziationen geweckt. Die Theorie dahinter ist, dass wir allgemein-menschliche Grunderfahrungen teilen, die sowohl in der Erleben und Verhalten im Hier und Jetzt als auch die Vorstellungen zu zukünftigen Ereignissen beeinflussen. So hat man die Möglichkeit, allgemein gültige Zeichen als Grundlage zu nutzen – unabhängig von der Kultur des Betrachters. Kinder scheinen den einfachsten Zugang zu solchen Urzeichen zu haben.
Herkunft des Wortes
Die Herkunft des Wortes Archetyp leitet sich aus zwei Wörtern her. Zum einen basiert er auf dem Adjektiv „archaisch“ bzw. auf dem altgriechischen Begriff ἀρχαῖος archaíos und Arche. Arche wurde von Aristoteles als "das Erste, von dem etwas ist, wird oder erkannt wird" definiert und wird heute immer wieder als Ursprung, Wesen, Prinzip, Ausgangspunkt für die Erkenntnis übersetzt. Archaíos wird mit „aus der Urgeschichte der Menschheit stammend“ gedeutet oder aber auch als „altertümlich“ oder anachronistisch und teilweise noch immer im Zusammenhang mit primitiven Formen. Der zweite Teil des Wortes Typus steht für Gestalt, Bild und Modell.
Aufbauend auf C.G. Jung
Das archetypische Maskenspiel orientiert sich unter anderem an den Arbeiten und Theorien von C.G. Jung. Laut des weltbekannten Psychoanalytikers sind Archetypen im „kollektiven Unbewussten" verankerte Urbilder, die uns als dynamische Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster dienen. Diese tief in der Psyche verankerten Strukturen sind universeller Natur und uns angeboren bzw. werden vererbt. Diese Wirkkräfte des kollektiven Unterbewusstseins hat der Schweizer aus kulturübergreifenden Vergleiche von Motiven aus Träumen, besonders auch bei Kindern, aus Mythen, Märchen, Sagen herausgearbeitet. C.G. Jung war davon überzeugt, dass die Archetypen wie die Mutter, der Souverän jeden in der Wahrnehmung und im Verhalten prägen und uns helfen, innere Konflikte besser zu verstehen.
Archetypen im Maskentheater
Im Sinne des archetypischen Maskentheaters sind mit Archetypen bzw. mit archetypischen Motiven Urformen von menschlichen Verhalten gemeint. Diese Urformen spiegeln menschliche Bedürfnisse wider. Auch kann ein Archetyp als eine Urform einer Kraft gesehen werden, die uns allen allgemein aber in der Ausprägung unterschiedlich angelegt ist. Wir alle tragen diese Urformen in uns. Sie prägen unser Handeln, unsere Vorstellungen, unsere Empfindungen und Emotionen.
Damit folgt das archetypische Maskentheater auch der Begriffsdeutung, dass Archetypen als genetisch verankerte, evolutionär erworbene universale Bereitschafts- und Reaktionssysteme des menschlichen Organismus definiert werden können (MÜLLER, Lutz; MÜLLER, Anette 2003: Wörterbuch der Analytischen Psychologie. Seite 31 Freiburg: Walter Verlag). Durch die genetische Verankerung stehen diese Bereitschafts- und Reaktionssysteme jedem auch ohne bereits selbst gemachten Erfahrungen zur Verfügung. Weiter werden Archetypen als grundlegende, nicht konkret festgelegte Möglichkeiten und Potenziale des menschlichen Erlebens und Verhaltens verstanden werden. Sie sind keine fertigen Inhalte, sondern eher formale Grundstrukturen, die dem Menschen sowie seiner Beziehung zur Mitwelt und Umwelt innewohnen.
Reine Archetypen sind über Kulturgrenzen allgemein gültige Urbilder. Gleichzeitig kann ein Archetyp und damit das Urbild durch den kulturellen Kontext (Religion, Geographie, Gesellschaftsform etc.) spezifische Ausprägungen eingefärbt sein, wodurch die Erscheinungsformen aber nicht der Kern des Archetyp verschieden sind.
In diesem Sinne wird im archetypischen Maskentheater auch davon ausgegangen, dass Archetypen immer vorhanden sind. Sie werden von uns in verschiedensten Formen, Dimensionen bewusst und/oder auch unbewusst wahrgenommen bzw. damit auch bewusst gelebt, verdrängt aber auch einfach ignoriert, weil wir nicht gerade in Resonanz mit den damit verbundenen Energiestrukturen bzw. Energiedynamiken sind.
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